Zu Gast in Augensterns Welt: Sabrina aka StitchTillDawn (Teil 1)

Hallo liebe Nähbegeisterte!

Zunächst vielen Dank an Annette, die mich als Gastautorin für den Blog angefragt hat, so dass ich euch in diesem Monat ein bisschen etwas über meine UFOs erzählen kann. Zudem trifft es sich wunderbar, dass ich gleich im Januar an der Reihe bin: Ich liebe den Jahresanfang. Alles ist neu und unbeschrieben, ein Jahr voller Möglichkeiten liegt vor einem und es wird wieder viele aufregende Tage und spannende Erlebnisse geben und hoffentlich viele kreative Stunden.

Etwas über mich

Ich bin Sabrina. Auf Instagram blogge ich seit 2017 als @stitch_till_dawn und ich freue mich, wenn ihr mal auf meinem Profil vorbeischaut. Im Vergleich zu vielen anderen Gastautorinnen, deren Beiträge ich schon auf Annettes Blog gelesen habe, nähe ich erst seit relativ kurzer Zeit. Ich habe 2015 damit angefangen, als ich nach vielen Jahren endlich meine Doktorarbeit in Theaterwissenschaft erfolgreich beendet hatte und gar nicht mehr wusste, was ich mit der vielen freien Zeit an den Abenden und am Wochenende anfangen soll. 🙂

Quilten hat mich anfangs allerdings überhaupt nicht interessiert. Durch Zufall stieß ich auf ein interessantes Tutorial, habe aus purer Lust am Machen meinen ersten Baby-Quilt genäht und schon war es um mich geschehen. Die Faszination für Patchwork und Quilten hat mich seither nicht mehr losgelassen und wird mich, wenn ich es richtig einschätze, auch noch sehr lange begleiten.

“Ich habe keine UFOs”

Als Annette mich im Herbst 2020 fragte, ob ich Lust hätte, einen Beitrag über meine UFOs für den Blog zu schreiben, habe ich sofort zugesagt, denn ich war bereits ein großer Fan der UFO-Gastautoren-Reihe und von Annettes Blog natürlich sowieso. Um aber ehrlich zu sein, dachte ich, dass sich bei mir wohl nicht mehr als drei oder vier unbeendete Projekte finden lassen. Weit gefehlt! Am Ende waren es insgesamt acht Quilt Tops, die ich aus einer eigens dafür reservierten Schublade gezogen habe. Ich war sehr erstaunt und auch etwas überwältigt.

Doch wenigstens bestätigte sich eine andere meiner Vermutungen: In meinem Nähzimmer gibt es quasi keine angefangenen Projekte in Form von zugeschnittenen, aber nicht fertig genähten Patchworkprojekten oder halb gequiltete Quilts. Vielleicht liegt es daran, dass ich erst seit relativ kurzer Zeit nähe, vielleicht aber auch daran, dass ich einfach nicht gerne parallel an zwei oder mehr Projekten arbeite. In meinem Nähzimmer scheint es jedoch ein kleines schwarzes Loch zu geben, das fertig zusammengenähte Quilt Tops verschluckt, bevor sie zusammengeheftet und gequiltet werden können.

Die Schublade der Schande

Als ich also in meiner „Schublade der Schande“ kramte, stellte sich sogar heraus, dass ich zu jedem dieser acht Quilt Tops bereits eine ausgewählte (manchmal auch schon zusammengesetzte!!) Rückseite hatte und in manchen Fällen sogar schon ein fertig vorbereitetes Binding. Über das Budget für die Rückseitenstoffe, die seit teilweise drei Jahren in dieser Schublade liegen und auf ihren Einsatz warten, wollte ich dann aber lieber nicht nachdenken. 🙂

In diesem Blogbeitrag möchte ich euch drei ausgewählte UFO-Projekte anhand ihrer individuellen Geschichte vorstellen. Außerdem zeige ich euch, wie ich diese Projekte nun erneut in Angriff genommen und teilweise bereits fertigstellt habe.

Vom Hochzeitsquilt, der dann doch keiner wurde

Das erste Projekt, das ich euch vorstellen möchte, wäre eigentlich gern ein Hochzeitsquilt geworden. Tatsächlich handelt es sich um eines meiner ältesten UFOs aus dem Jahr 2018. Ein paar sehr gute Freunde von uns – zudem die Paten unserer Tochter – wollten heiraten. Eine Dezember-Hochzeit war angesagt und wir wussten bereits ein Jahr zuvor davon. Da ich der Zwillingsschwester der Braut bereits für ihre Hochzeit im Jahr zuvor einen Quilt genäht hatte – und es sich wie gesagt um sehr gute Freunde handelt – stand außer Frage, dass wir auch hier ein handgemachtes Stück schenken wollen. Ich hatte mich für ein wunderschönes Quiltmuster mit einem applizierten Ampersand (also dem kaufmännischen & bzw. Et-Zeichen) entschieden.

Die Braut war ein paar Wochen zuvor zufällig in meinem Nähzimmer gewesen und hatte eine Kollektion schöner schwarz-weiß-grauer Stoffe mit geometrischem Muster entdeckt und die einzelnen Quadrate des Charm Packs voller Bewunderung mehrmals in ihren Händen hin und her gewendet. „Perfekt“, dachte ich. Im Internet stieß ich zudem auf einen absolut genial passenden Rückseitenstoff und war überzeugt, dass es die “Nähgötter” bei diesem Projekt gut mit mir meinen. Es war Januar, die Hochzeit sollte erst im Dezember sein. Was sollte jetzt noch schief gehen!

Also ließ ich die Arbeit erstmal ruhen. Irgendwann im Frühjahr holte ich mir farbliche Beratung von der lieben Sandra aka @hohenbrunnerquilterin im Münchner Stoffgeschäft unseres Vertrauens und wir waren uns beide einig, dass ein sehr intensiver Grünton sich perfekt als Hintergrundstoff zu dem ausgewählten weiß-schwarz-grauen Charm Pack anbieten und der Quilt dadurch unglaublich modern und cool aussehen würde. Ich finde das auch heute noch und bin wirklich dankbar für die tolle Beratung. Sogar passendes Garn haben wir damals gefunden.

Doch als ich den Quilt dann fertig zusammengesetzt hatte (es war mittlerweile August oder September) stand ich etwas ratlos davor. Er war viel kleiner, als ich mir ihn vorgestellt hatte.  Und irgendwie wollte die “coole” Farbkombination so gar nicht zu einer romantischen Winterhochzeit passen.

Also entschied ich mich dazu, noch einmal neu anzufangen: Ein komplett neues Ampersand mit roten und apricotfarbenen Stoffen, ein weißer Hintergrund. Das Ergebnis seht ihr hier.

Fertig war der Quilt natürlich erst einen Tag vor der Hochzeit, denn ich hatte ja viel Zeit mit dem ersten Exemplar verloren. Ich war vollkommen erschöpft, aber glücklich und zufrieden, als ich den Quilt am Vorabend der Hochzeit liebevoll verpackte, während mein Mann mir seine Rede vortrug, denn er war auch noch Trauzeuge des Bräutigams. Das Brautpaar freute sich glücklicherweise über das Geschenk und da ich nun dieselben Farben wie beim Hochzeitsquilt der Zwillingsschwester verwendet hatte, war am Ende alles eine runde Sache.

Stellt euch mal vor: Das Brautpaar hat sogar entschieden, das Schlafzimmer in ihrem Neubau in den Farben des Quilts einzurichten. Das ist natürlich eine riesengroße Ehre, aber umso glücklicher bin ich, dass ich mich am Ende umentschieden habe, und die beiden nun nicht in ein neongrünes Schlafzimmer einziehen müssen. 🙂

Aber es kam, wie es kommen musste, und das etwas exzentrische, grüne Schmuckstück landete in  besagter Schublade, bis ich es im Dezember 2020 wieder hervorkramte. Die Aussicht darauf, es euch heute hier vorstellen zu können, motivierte mich dazu, meine nun doch schon etwas weiterentwickelten Fähigkeiten dazu zu nutzen, dem Quilt ein besonderes Finish zu geben. Dadurch, dass es für diesen Quilt nun keinen bestimmten Zweck mehr gab, war ich vollkommen frei und entschied mich, auf der einladenden Freifläche ein richtig tolles Quilting auszuprobieren, an das ich mich bisher noch nicht herangetraut hatte. Das Ergebnis seht ihr hier:

Da Binding und Rückseite hier schon vorbereitet waren, konnte ich den Quilt dann auch ruckzuck fertigstellen. Es ist wahrscheinlich keine Farbkombination, zu der ich heute noch greifen würde, aber wenn ich diesen Quilt anschaue, freue ich mich, bin ein wenig stolz und sehe verschiedene Stationen meiner Nähreise darin.

Die Geschichte über zwei weitere meiner UFOs erzähle ich euch morgen im zweiten Teil meines Gastbeitrags.

Ich freue mich auf euch!

Eure Sabrina


verlinkt mit: UFO – Let’s finish old stuff!, Freutag, Nähzeit am Wochenende und Patchen und Quilten 

12 Kommentare

  1. Eine wunderbare Geschichte. Und ich finde den Grünen Quilt sehr spannend. Vielleicht findet sich ja noch eine passende Verwendung 😀

  2. Liebe Sabrina,
    ach was musste ich schmunzeln, als ich deinen Beitrag las. Gerade der Satz: “Ich habe keine UFOs” hat mich sehr amüsiert. Das höre ich bei den Gastautorinnen immer wieder. Deine Variante vom Hochzeitsquilt gefällt mir auch viel, viel besser. Die roten Farben strahlen so viel Wärme und Lebensfreude aus. Da war die Entscheidung goldrichtig die Stoffauswahl zu ändern. Man kommt einfach nicht aus seiner Haus. Gerade Geschenke spiegeln so viele positive Gedanken wider und das hellgrün gefällt mir ehrlich gesagt auch nicht. So, jetzt backe ich noch einen Sonntagskuchen. Du Liebe, ich wünsche dir ein wunderschönes Wochenende und herzlichen Dank für deine Gastbeiträge hier auf meinem Blog. Das hat so viel Spaß gemacht, bis morgen dann. 🙂
    Herzliche Grüßen aus dem winterlichen Heidelberg
    Annette

    1. Liebe Annette,
      es war eine große Ehre und eine wunderbare Erfahrung für mich, hier dabei zu sein. Und es war auch lehrreich und motivierend: Ich glaube, ich hätte mich sonst für eine sehr, sehr lange Zeit nicht getraut, mich an diese UFOs zu setzen. Und jetzt sind es ja auch schon ein paar weniger. Mal sehen, wie viele ich in den nächsten Wochen noch fertigstellen kann.

  3. Ach, ich erinnere mich 😉 Und ich finde den Quilt immer noch supercool! Diese schwarz-weiß Kombi hat einfach etwas Farbe gebraucht… Aber es ist immer gut, wenn man die Möglichkeit hat, seine Entscheidungen neuen Gegebenheiten und Voraussetzungen anzupassen. Ich bin mir sicher, dass die rot-weiße Kombi perfekt für das Hochzeitspaar war! Und für den grünen Quilt findest du eine schöne Verwendung! Der ist jedenfalls echt irre schön geworden!
    Liebe Grüße, Sandra

    1. Liebe Sandra,
      ja, ist gefühlt schon lange her. 😉 Ich finde auch immer noch, wir haben absolut richtig entschieden mit der Farbe. Es ist auf jeden Fall ein Hingucker. Jetzt brauche ich nur noch eine Wohnung mit einer großen weißen Wand, wo ich den Quilt ausstellen kann. Wetten, da würde jeder davor stehen bleiben? 😉
      Vielen Dank für dein Kompliment. Das Quilting war echt herausfordernd, aber man wächst ja bekanntlich an seinen Aufgaben.
      Liebe Grüße,
      Sabrina

    1. Haha! Muss ja nicht jeder Quilten. Aber haben wir als Kreative nicht irgendwo alle solche Projekte liegen, die wir uns supercool vorgestellt haben und die dann doch nicht so wurden, wie gedacht. Ich freue mich, dass ich dich für die Geschichte dieses Quilts interessieren konnte. Liebe Grüße

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