Hier kommt der versprochene Blogbeitrag von dem Buchbinder Kurs, den wir im Juni, an dem heißen Wochenende hatten. Wir wollten schon absagen, weil uns 39 Grad einfach zu heiß war, aber der Kursleiter hatte ein kühles Atelier, und wir haben es nicht bereut!
Denn manche Kurse stehen schon so lange auf der Wunschliste, dass man kaum noch daran glaubt, irgendwann einen Platz zu bekommen. So ging es meinem Mann mit dem Workshop „Grundlagen des Buchbindens“. Seit mehreren Jahren wollte er diesen Kurs besuchen, doch jedes Mal war er ausgebucht. Umso größer war die Freude, als er im Februar den Kurs wieder auf der Volkshochschulseite Heidelberg entdeckte und realisierte, dass noch zwei Plätze für uns frei waren.
Im Juni tauchten wir dann drei Tage lang ab in die faszinierende Welt des Buchbindens. Im Atelier des Buchbinders in Heidelberg Handschuhsheim werden nicht nur Kurse angeboten, auch wird das traditionelle Handwerk dort noch ausgeübt. Schon beim Betreten des Ateliers war klar, dass hier mit Herzblut gearbeitet wird.

Überall entdeckten wir alte Werkzeuge, historische Maschinen, Schautafeln, Zeitungsausschnitte und für uns gut vorbereitete Arbeitsplätze. An den Wänden hingen nette Sprüche, die zum Schmunzeln anregten, und zwischen all den Materialien gab es so viel zu entdecken.

Sehr beeindruckt hat mich die antike Krause-Papierschneidemaschine, die um die 150 Jahre alt ist. Sie funktioniert ohne Strom und wird nur mit Muskelkraft bedient. Das Schneideergebnis war erstaunlicherweise sehr präzise. Es ist faszinierend zu sehen, wie langlebig und zuverlässig diese historischen Maschinen noch heute sind.
Tag 1 – Donnerstag – Erst einmal die Werkstatt kennenlernen
Bevor wir mit dem Buchbinden beginnen konnten, stellte uns unser Kursleiter ausführlich alle Werkzeuge und Materialien vor. Dabei wurde schnell deutlich, dass jedes einzelne Hilfsmittel seinen ganz bestimmten Zweck erfüllt.
Wir lernten beispielsweise viel über die Werkzeuge, z.B. das Falzbein kennen. Es wird traditionell noch immer aus Knochen gefertigt, das hat einen praktischen Grund: Es lädt sich nicht statisch auf und gleitet dadurch besonders gut über das Papier. Auch robuste Teppichmesser, Heftgaze, Schraubzwingen, Leimpinsel und viele weitere Werkzeuge und Materialien wurden ausführlich erklärt.

Was mir besonders gut gefallen hat: Unser Buchbinder erklärte nicht nur, wie etwas gemacht wird, sondern auch warum. Er hat sich all die Jahre so unendlich viel Wissen angeeignet, ich hätte ihm stundenlang zuhören können. Immer wieder zeichnete er technische Skizzen und machte selbst komplizierte Zusammenhänge besser verständlich. Dadurch konnten wir den Aufbau eines Buches und die einzelnen Arbeitsschritte sehr gut nachvollziehen. Nach einem spannenden Einführungsvortrag über die Kulturgeschichte des Buches begann der praktische Teil und wir konnten loslegen.
Bevor wir allerdings unser erstes Buch binden konnten, bauten wir zuerst unsere eigene Buchbinderlade aus Holz. Dafür hatte jeder von uns ein vorbereitetes Materialpaket erhalten.

Diese Lade diente später dazu, die einzelnen Buchlagen sauber zu heften und es ist auch ein unverzichtbares Hilfsmittel beim traditionellen Buchbinden. Es war ein schönes Gefühl, gleich zu Beginn ein Werkzeug herzustellen, das uns während des gesamten Kurses begleiten sollte. Der Kurs war aber so ausgelegt, dass wir zuhause alle Hilfsmittel und Werkzeuge haben, um selbst aktiv zu werden. Mit der Buchbinderlade können wir selbstständig zuhause starten und eigene Buchprojekte in die Tat umsetzen!
Tag 2 – Freitag – Papier ist nicht gleich Papier
Am zweiten Kurstag drehte sich alles um den Werkstoff Papier. Ehrlich gesagt hätte ich nie vermutet, dass hinter einem einfachen Blatt Papier so viel Wissen steckt. Wir erfuhren beispielsweise, warum die Laufrichtung des Papiers beim Buchbinden so wichtig ist, und welche Probleme entstehen können, wenn sie nicht beachtet wird. Viele kleine Details, über die man sich als Leser nie Gedanken macht, entscheiden später darüber, ob sich ein Buch gut öffnen lässt oder ob sich Seiten verziehen.

Anschließend schnitten wir die Vorsätze zu, hefteten die einzelnen Lagen unseres Buchblocks mit Buchbinderzwirn und verleimten diese sorgfältig. Langsam nahm unser Buch Gestalt an und man konnte schon erkennen, wie aus vielen einzelnen Papierbögen nach und nach ein richtiges Buch entstand. Hier der Meister bei der Arbeit, er zeigte all seine Tricks und Kniffe.

Tag 3 – Samstag – Aus vielen kleinen Schritten entsteht ein Buch
Der letzte Kurstag war sicherlich der spannendste. Nun wurden die Buchblöcke mit der großen Schneidemaschine exakt auf Format gebracht. Danach folgten die vielen kleinen Details, die ein hochwertiges Buch ausmachen. Wir brachten Kapitalbändchen und Zeichenbändchen an, klebten die Pappdeckel auf und lernten den Aufbau eines sogenannten hohlen Rückens kennen.

Zum Schluss wurden die Buchdeckel mit Gewebe und Papier bezogen. So entstand ein klassischer Halbleineneinband, und dann hielten wir tatsächlich unser eigenes Blancobuch in den Händen. Unsere liegen in der untersten Reihe (mein Mann machte ein gelbes mit grünem Rücken und ich ein grünes mit pinkfarbenen Rücken).

Jeder von uns fertigte während des Workshops ein DIN-A5-Buch mit traditioneller Fadenheftung an. Wenn man bedenkt, aus wie vielen einzelnen Arbeitsschritten ein Buch besteht, schaut man danach mit ganz anderen Augen auf jedes Buch im Bücherregal.

Wir haben wirklich großen Respekt vor diesem traditionellen Handwerk. Hinter jedem handgebundenen Buch stecken so viel Erfahrung und handwerkliches Können. Uns hat dieser Workshop sehr beeindruckt. Natürlich nimmt man am Ende ein wunderschönes selbst gebundenes Buch mit nach Hause, aber noch viel wertvoller ist das Wissen, das man in diesen drei Tagen mitnimmt.
Ich habe mir viele Notizen während des Kurses gemacht und fast jeden Arbeitsschritt fotografiert. Wir wurden sogar angehalten, alles sehr detailliert zu notieren, damit wir das ganze Procedere zuhause wiederholen können. Denn das war das Ziel des Kurses, die Grundlagen des Buchbindens kennenzulernen, um selbstständig in der Lage zu sein das Erlernte nachzuarbeiten. Ich bin gespannt, ob wir zwei es schaffen. Mein Mann ist hochmotiviert, und ich auch.
Ihr Lieben, schön das ihr zum Stöbern vorbeigekommen seid. Nach den Glücksmomenten im Juli werde ich von unserem Kurs im Jeromin Werkladen (letzte Woche) berichten. Dort haben wir gedruckt mit Geliplatten. Eine auch höchst interessante Arbeitsweise.
Also dann, bis demnächst.
Liebe Grüße

Der Kurs wurde bei der VHS Heidelberg angeboten und im Herbst 2026 folgt ein weitere Kurs wie dieser, *hier* könnt ihr euch darüber informieren gerne teile ich euch die Kursbeschreibung mit…
(Quelle: Volkshochschule Heidelberg, Abteilung: Kunst & Gestalten -> Handwerkstechniken
Grundlagen des Buchbindens
Kursbeschreibung: Die alte Handwerkskunst des Buchbindens ist ein wichtiger Bestandteil unseres Kulturerbes. Sie erfahren, woraus ein Buch besteht und wie es aufgebaut ist, wie man alte Bücher repariert und pflegt, wie man sie sorgfältig auseinandernimmt und neu einbindet und lose Blätter, Manuskripte, Zeitschriften usw. aufbereitet und in Buchform bringt. Es wird ein Blankobuch hergestellt, das als Notizbuch oder Skizzenbuch verwendet werden kann. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich. Der Workshop ist so angelegt, dass jede*r befähigt wird, später alleine weiterzuarbeiten.
Bitte mitbringen: Zollstock, Bleistift, Schere, Teppichmesser (Cutter), 2 Leimpinsel (Borstenpinsel, Durchmesser 1 und 2,5 cm), ca. 150 Blatt DIN A4 Papier und – sofern vorhanden – Falzbein, Schneideschiene, Schraubenzieher oder einen Akkuschrauber.
Kursleiter: Weil, Thomas
Termine – Oktober 2026
| # | Termin | Ort / Raum |
|---|---|---|
| 1 |
Donnerstag•15.10.2026•19:00 – 22:00 Uhr
|
Heidelberg, Werkstatt (Handschuhsheim) |
| 2 |
Freitag•16.10.2026•17:45 – 22:00 Uhr
|
Heidelberg, Werkstatt (Handschuhsheim) |
| 3 |
Samstag•17.10.2026•09:00 – 18:45 Uhr
|
Heidelberg, Werkstatt (Handschuhsheim) |
verlinkt mit dem Creativsalat im Juli


Oh ja, danach sieht man Bücher im Regal mit anderen Augen. Wobei… viele Bücher werden heute nicht mehr so aufwendig hergestellt. (Schon normale sind den Lesern ja oft zu teuer. Früher war ein Halbleinen Buch viel häufiger im Regal zu finden)
Ein ganz toller Kurs! Ich kann Eure Begeisterung nachvollziehen. Viel Freude noch mit den schönen Büchern
Liebe Grüße
Nina
Liebe Annette,
was für ein spannender Kurs. Ich finde es faszinierend, wie viele Arbeitsschritte und wie viel Wissen hinter einem handgebundenen Buch stecken. Eure selbst gefertigten Bücher sind wunderschön geworden. Besonders schön finde ich, dass ihr nicht nur ein fertiges Werk mit nach Hause genommen habt, sondern auch die Grundlagen, um dieses alte Handwerk weiterzuführen.
Liebe Grüße
Bianca
Ich habe deinen Beitrag mit großem Interesse gelesen! So ein selbst gebundenes Notizbuch ist was Besonderes und auch eine schöne Geschenkidee.
Liebe Grüße
Heike
Ach, das war ein interessanter Beitrag. Danke, dass du von eurem Kurs berichtet hast. Vor Jahren habe ich auch schon mal einen ähnlichen Kurs gemacht, das hat auch sehr viel Spaß gemacht. Na, ich bin gespannt, wie ihr mit den Grundlagen nun weiterwerkelt.
Ich sende dir liebe Grüße
Petra