Tag: 18. Juni 2019

Meine Gastautoren

Zu Gast in Augensternswelt: made with Blümchen über Ordnung und Projektmanagement im Nähzimmer

Hallo zusammen, und danke, liebe Annette, dass Du mich als Gastautorin zu deinem Schwerpunkt „Finish old Stuff“ eingeladen hast, um über meine UFOs, WIPs und NafOs zu berichten. Seit Anfang 2015 betreibe ich (Gabi), meinen Textil-Blog made with Blümchen – als reines Hobby. Dort nähe, handsticke, stricke und häkle ich und berichte auch manchmal von textilen Veranstaltungen, denn ich liebe die Besuche bei Märkten und Textilkunst-Ausstellungen. Aber am allerliebsten probiere ich – meist im Rahmen der Aktion „Stoffspielereien„, deren Termine und Gastgeberinnen ich seit einiger Zeit koordiniere – mir bisher unbekannte textile Techniken aus und teile die Erfahrungen. (Meist gehen die Experimente gut, aber machmal auch daneben. 😀 )

Beruflich bin ich als IT-Dienstleisterin selbständig und sitze – wenn ich nicht gerade auswärts einen Kundentermin habe oder einen Workshop halte – daheim am Schreibtisch im Home-Office. Deshalb war es mir auch sehr wichtig, dass ich in unserer neuen großen Wohnung (vor eineinhalb Jahren sind wir hoffentlich zum letzten Mal in unserem Leben umgezogen) einen eigenen Büroraum habe, den ich abends verlassen kann und die Tür zumachen.

Mein Arbeits- und Nähzimmer

Ähem. Eigentlich ist der Raum – vom Volumen her, wenn ich ehrlich bin – ein Viertel Büro und drei Viertel Kreativ-Reich. (Mein Mann hat dafür eine Werkstatt im Keller, in der er auch abends fräsen oder bohren kann, ohne dass es jemand im Haus stört.)

Heute möchte ich Dir ein paar Strategien vorstellen, wie ich mit meinen Kreativ-Projekten umgehe.  Wobei ich nicht viel Unterschied zwischen UFOs (Unfertige Objekte), WIPs (Work in Progress) und NafOs (nicht angefangene Projekte) mache, sondern bei mir eigentlich alles Projekte in unterschiedlichen Stadien sind. Kaum UFOs, jeweils 1-2 WIPs und der Rest sind Materialien für Potenziale und Möglichkeiten.

Zuerst priorisieren und dann auf EIN Ding konzentrieren

Wie bei den meisten von Euch hat auch mein Tag nur 24 Stunden, meine Projektideen und Wünsche würden für mindestens drei Mal so viel Zeit reichen! Zusätzlich gibt’s noch Arbeit, Partner, Kinder, Eltern, Freunde, andere Hobbies und die aktive Mitarbeit in einem Verein. Puh!

Von all den vielen Ideen (nicht nur beim Nähen) fühlte ich mich früher häufig so erschlagen, dass ich vor lauter Überforderung im Endeffekt gar nichts gewerkelt habe, sondern ein Buch gelesen oder so. Meine zwei Strategien dagegen sind inzwischen: 1) Prioritäten setzen: Was will/muss ich bald machen, was kann warten? Und dann: 2) Jeweils nur EIN Nähprojekt am Nähtisch liegen haben. Ich habe meistens noch ein Häkel- oder Strick- oder Stickprojekt parallel laufen, mit dem ich gerne auf der Couch im Wohnzimmer rumlümmle, aber am Nähtisch und in seiner Umgebung darf nur immer ein Projekt liegen, nämlich das nächste.

Aber wie entscheide ich, was als nächstes dran ist? Alle Projekte und Ideen, die sonst in meinem Kopf herumflattern und sich um meine Aufmerksamkeit streiten würden, sammle ich auf einem so genannten „Board“ in einem To-do-Listen-System namens Trello. Dort habe ich Listen betitelt mit „Sommerprojekte“, „Nützliches“, „Winterprojekte“, eine Liste mit Ideen für Blogposts zu denen es noch kein konkretes Projekt gibt, und eine Liste mit den geplanten, chronologisch geordneten Blogposts für den jeweils laufenden Monat.

Mein Handarbeits- und Blog-Board auf Trello

Ständig kommen neue Ideen dazu, andere erledige ich, weitere lösche ich nach einiger Zeit wieder, wenn sie schon zu lange am Board rumlungern und mich eigentlich gar nicht mehr interessieren. (Insofern habe ich keine wirklich alten UFOs. Die sind schon lange als Projekt wieder aufgelöst.)

Die Ideen, die mich am meisten reizen, verschiebe ich auf den Listen nach oben – die Reihenfolge verändert sich also häufig. Und ein Mal im Monat wandern die obersten (also aktuell interessantesten) paar Projekte auf die Blogplan-Liste (hier nicht zu sehen, weil sie weiter links ist), wo sie einen Termin bekommen.

So plane ich jeweils am Ende des Monats für die nächsten vier Wochen, was ich wann werkeln und anschließend möglichst am Blog präsentieren möchte. Dabei versuche ich realistisch abzuschätzen, wie viel Zeit ich überhaupt aufbringen kann. Derzeit reichen meine Ressourcen für ca. einen Blogpost und ein bis zwei Näh-Projekte die Woche plus ein bisschen Handarbeiten am Sofa. Vieles, was ich gemacht habe, schafft es dann auch gar nicht auf den Blog; schlicht, weil mir die Zeit zwischen den Fingern zerrinnt. Aber ich habe eine Struktur und eine Reihenfolge, die mir sehr dabei hilft, dass ich ganz vieles gemächlich aber kontinuierlich abarbeite, ohne mich überwältigt zu fühlen. Und ich mag auch sehr die Verzahnung von Werkeln und am Blog Zeigen; das greift bei mir ineinander und ergänzt sich sehr fein: Das eine spornt das andere an.

Wobei ich auch noch dazu sagen muss: Die Liste ist für mich ein Plan, der mich leitet. Aber ich halte mich nicht sklavisch dran. Wenn sich spontan eine Idee in den Vordergrund drängt, wird es meist sehr gut sprich: produktiv, wenn ich diesem Impuls nachgebe und die Kreativität sprudeln lasse.

Die Struktur in den Listen finden sich auch im Nähzimmer wieder. Auf der Liste gibt es eine „Inbox“ auf der die neuen Ideen landen, bevor sie einer der Listen zugeordnet werden. Im großen Regal gibt es eine Kiste „Inbox“, in der vorwiegend zu reparierende Sachen landen, damit sie nicht nicht irgendwo sonst zu stapeln beginnen. Auch diese „Inbox“ leere ich regelmäßig. Ich mag nämlich keine unübersichtlichen Stapel und Haufen.

Stehend statt liegend aufbewahren

Früher hatte ich überall Stapel mit angefangenen oder möglichen Projekten herumliegen. Aber Stapel sind der Tod eines Projektes. Du weißt nie genau, was drinnen steckt, dann kommen sie vielleicht noch ins Rutschen, alles kommt durcheinander. Brr.

Vor einiger Zeit habe ich dann bei einer anderen Bloggerin (leider weiß ich nicht mehr, bei wem) gelesen, dass sie ihre Stoffe mittels eines Kartonstückes in gleich große Stoffbündel faltet und diese dann in Schubladen unterbringt. „Genial!“ dachte ich, und hab genau das gleiche mit allen meinen Stoffen für Kleidung und Stoffen für Patchwork und andere kleinere Projekte gemacht. (Auch die derzeit sehr gehypte Marie Kondo propagiert die stehende Aufbewahrung von allem Möglichen, unter anderem Shirts im Schrank.)

Am liebsten bewahre ich die Sachen „stehend“ auf: Patchworkstoffe und Kleidungsstoffe in Schubladen, Schnittmuster in Klarsichthüllen in Zeitschriftensammlern.

So ist praktisch alles in meinem Nähzimmer griffbereit: Ich kann einen Stoff aus der Kiste nehmen, ohne dass der Stapel zusammenbricht und alles ins Rutschen kommt.

Die Zutaten für die Projekte auf der jeweiligen Monatsliste (Stoff plus zugehöriges Schnittmuster bzw. Anleitung), bereite ich meist ebenfalls Anfang des Monats vor und „stelle“ sie nebeneinander in die Kiste „aktuelle Projekte“. Ich finde es praktisch, wenn ich nicht erst lange suchen muss sondern alles mit einem Griff beieinander habe, wenn ich Zeit zum Nähen habe.

Die Projekte stehen in der Box „Aktuelles“

Bei vielen anderen lese ich, dass sie sich beim Nähen super entspannen können. Für mich ist Nähen viel anstrengender als zum Beispiel Stricken oder Häkeln. Ich muss mich konzentrieren und mich selbst überlisten, indem ich die Hürde des Anfangens so klein wie möglich mache. 😉

Das war’s von meiner Seite zum Thema Ordnung und UFOs bzw. Projektplanung. Ich bin gespannt auf Eure Kommentare. Vielleicht wollt Ihr mir erzählen, was Ihr vom senkrecht Aufbewahren und Sammeln aller Projekte in flexiblen Listen haltet?

Danke fürs Lesen, und liebste Grüße von
Gabi (made with Blümchen)

 

 

Linked: Let’s finish old stuff – Die UFO Linkparty Dings vom Dienstag, Creadienstag