Das erste eigene Schnittmuster – meine wichtigsten Tipps – Gastbeitrag von Antje (Ahoi Quilts)

augensternswelt-2022-07-gastbeitrag-ahoiquilts-1Das kann ich doch auch selbst!

Geht es dir manchmal auch so? Du stehst in einem Laden, schaust dir die Klamotten, Kissen, Täschchen, etc. an und denkst „Hm, wenn es eine andere Farbe hätte… Bekomm ich das nicht auch irgendwie selbst hin?!“ Dann herzlichen Glückwunsch, du bist bereits auf halben Weg zu deinem eigenen Design!

augensternswelt-2022-07-gastbeitrag-ahoiquilts-6Und damit seid ihr genau richtig, bei meinem heutigen Gastbeitrag für Augensternswelt. Ich bin Antje, nähe seit über 8 Jahren, mit Leidenschaft Quilts, zweckgebunden auch mal Klamotten, und seit Neuestem gequiltete Taschen. Wer mich besser kennenlernen möchte, der schaut gerne bei mir unter www.ahoiquilts.com vorbei. Letztes Jahr habe ich mich endlich getraut eigene Patchwork Schnittmuster zu veröffentlichen. Und auf welche Tools und Tricks ich beim Designen nicht mehr verzichten mag, darum geht es heute!

Vorsicht!

Seid gewarnt, wenn man sich einmal darauf einlässt, dann lauert die Inspiration überall! So banal es klingt, selbst das Fliesenmuster auf dem Toilettenfußboden bei der Arbeit birgt ein potenzielles Patchworkmuster. Es gilt also: Seid vorbereitet! Und zwar immer!

 

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Womit wir auch bereits bei meinem wichtigsten Werkzeug sind: Papier und Stift (und Radiergummi)! Gut, mittlerweile nutze ich auch schonmal Tablett und Stift. Aber die old school Variante ist mir doch die Liebste, einfach weil ich schon immer auf Papier gezeichnet habe und auch ohne Strom und Akku noch handlungsfähig bin. 

Und was zeichnet man da jetzt genau, wenn einen die Muse anspringt?! Da gibt es keine Regeln. Schreibt oder skizziert, was euch in den Sinn kommt, was euch gefällt, Ideen und Vorstellungen. Am Anfang fühlt sich das vielleicht komisch an (vor allem wenn man Stunden an einem Dreieck gekrickelt hat). Aber erstens ist das kein Kunstwettbewerb und niemand muss eure Zeichnungen je sehen. Und zweitens ist das ein Prozess. Woher sollt ihr denn wissen, wie euer Stil ist, wie man aus einem Dreieck einen ganzen Quilt designed, welche Farben funktionieren, wenn ihr es nicht ausprobiert. Und genau darum gehts im Grunde: Probiert euch aus, bis euch etwas so sehr gefällt, dass ihr es Nähen möchtet.

Gerne nutzte ich auch kariertes Papier, weil es mir leichter fällt in Blöcken zu denken, wenn ich bereits ein Raster habe. In meinem Skizzenbuch für unterwegs (ist immer dabei) notiere ich Ideen und Muster, wie sie mir spontan einfallen. Auf einem karierten Block mache ich dann oft die detailliertere Ausarbeitung und plane auch die größeren Muster. 

Zusätzlich zum Zeichnen mache ich gerne Fotos von Mustern, Farben, Motiven…was mich eben inspiriert… als Gedankenstütze. 


Kinder, lernt Mathe!

Denn wer Quilts designen will, der kommt an der Mathematik und vor allem an der Geometrie nicht vorbei. Ich weiß, will keiner hören, ist aber so. Hätten wir das damals alle gewusst, dass aus uns mal noch Designer werden..haha…aber keine Sorge! Dr. Google kennt alle Formeln, sollten sie euch mal zufällig nicht einfallen. 

Wie groß muss ein Block sein, wenn der Quilt XY gross sein soll? Wieviel Stoffverbrauch habe ich bei einem Block und dann beim ganzen Quilt? Wie ist das nochmal mit Umfang und Radius??? … Und auch wenn es mittlerweile sehr viele gute Hilfsmittel wie Apps etc. für die Kalkulation von z.B. Stoffverbrauch gibt, bin ich immer gut damit gefahren, das nochmal selbst nachzurechnen. 

Die digitale Erleuchtung: EQ8

Nein, sie macht auch vor dem Quilten nicht halt, die Digitalisierung. Aber im Ernst, ihr habt eure Idee gezeichnet, vielleicht sogar den Quilt schon geplant. Nun wäre es ja super, wenn man wüsste, wieviel Stoff man benötigt und wie die Teile zugeschnitten werden müssen und wieviele man benötigt. Oder einfach mal verschiedene Farben ausprobieren. Im Prinzip würden euch auch hierfür Papier und Stift reichen. Und bei einem einfachen Blockmuster, dass sich wiederholt, würde ich sogar dabeibleiben. 

Meinen Caught in the Rain Quilt habe ich z.B. komplett händisch zusammengestellt, gerechnet und designed. Meine Erfahrung fasse ich mal kurz und schmerzlos zusammen: NIE WIEDER! Nach dieser Erfahrung habe ich mich entschlossen, mir digitale Unterstützung zu holen. Nachdem die meiste Freeware nur auf Windows funktioniert, bin ich recht schnell bei „Electric Quilt“ gelandet. Ich habe die Version 8 (EQ8). Nicht ganz günstig, aber dafür unfassbar vielseitig, bietet die Software wirklich ALLES


was das Designer Herz begehrt. Von einer riesen Bibliothek an Blöcken, aus denen man eigene Designs zusammen stellen kann, über Mechanismen zum Blockdesign bis hin zum eigenen freihändischen Zeichnen ist alles dabei. Außerdem sind Projekte so angelegt, dass Blöcke, Quiltdesigns und verwendete Stoffe / Farben zusammen abgelegt sind und man immer wieder dran arbeiten kann. Designs sind schnell vervielfältigt oder umgeschmissen, neu eingefärbt oder skaliert. Gleichzeitig kann man jederzeit den Stoffverbrauch, Zuschnitttabellen und Schablonen abrufen. Auch Ausmalvorlagen lassen sich damit prima erstellen. Und ganz klasse ist natürlich die Funktion, sich auch die Vorlagen für FPP Muster erstellen zu können. Und das auf Knopfdruck. 

Ein bisschen muss man aber schon noch denken. Z.B. in welchen Schritten ein Block entsteht und zusammengesetzt werden kann. Oder dass man auch mit HSTs Techniken stoffsparend und einfach Dreiecke produzieren kann, statt alle einzeln auszuschneiden. 

Wie, schon vorbei?

Ja, irgendwie war das auch schon die ganze Magie. Sicher hat jeder Designer noch seine ganz eigenen Tools und Tipps. Aber ich denke, das hier ist mal ein guter Anfang. Wenn ihr euch nun also an das Abenteuer eines eigenen Schnittmusters wagen möchtet, dann habe ich hier ein paar persönliche Tipps für euch, auf die es bei mir am Ende ankommt:

  1. Einfach anfangen – Krickelt das weiße Blatt voll, fangt mit irgendeiner Form an, zur Not auswürfeln. Es gibt kein Richtig oder Falsch.
  2. Legt das Design weg und schaut am nächsten Tag – oder wann euch auch immer danach ist – wieder drauf. Tüftelt weiter, bis ihr happy seid. 
  3. Wenn ihr nicht happy seid, hebt es auf (man weiß nie). Und fangt nochmal was Neues an. 
  4. Probenähen! Das mache ich immer! Genäht wirkt der Block immer nochmal anders. Und ihr lernt, ob sich die Teile so zusammensetzten lassen, wie geplant oder ihr einen Denkfehler drin habt.
  5. Nehmt euch dafür Stoffe, auf die ihr Bock habt und euch auf euer Experiment freut.
  6. Macht euch keinen Zeitdruck. Ein eigenes Design erstellen und dann auch noch zu nähen, ist ein langwieriger Prozess, bei dem man öfter aus seiner Haut muss, als man vielleicht glauben mag. Daher gönnt euch Zeit und eine gute Stimmung.
  7. Das F in Fertig steht für „Feiern“! Egal ob für euch ganz allein, mit Freunden oder ganz öffentlich auf Insta – Feiert euch! Ihr habt euer erstes Design nicht nur erstellt, sondern genäht! Jeder Quilt ist ein Unikat. Aber dieses Werk ist etwas wirklich Besonderes! 

Ehrlich gesagt könnte ich noch stunden weiter tippen hier…Ich hoffe der kleine Ausflug in meine Welt hat euch Spaß gemacht und ihr könnt für euch etwas mitnehmen. Vielleicht habt ihr schon länger eine Idee im Kopf, die noch nicht den Weg zur Nähmaschine gefunden hat. Ich würde mich sehr freuen, wenn euch mein Artikel dazu inspiriert, sie auszuprobieren. Lasst mich wissen wie es läuft und natürlich wollen wir Fotos sehen!

Quilt Ahoi und immer schön kreativ sein! Eure Antje

Hier findet ihr die Software EQ:
www.electricquilt.com 

Wer sich an seinem ersten Quilt versuchen will, hier ein paar Tipps:
www.ahoiquilts.com/Dein-Quilt 

Mein Instaprofil – ich freue mich von euren Designs zu lesen 🙂
insta/ahoiquilts 

 


verlinkt mit HandmadeOnMondayCreativsalat,  froh und kreativ, Patchwork und QuiltenSmall Quilts and Doll Quilts, Oh Scraps! 

8 Kommentare

  1. Hallo Liebes,
    Was?? Schon vorbei? Ich hätte jetzt noch lange lange Zeit dir zuhören… äh lesen können!
    Vielen Dank, dass Du uns an deinen Erfahrungen teil haben lässt. Während des Lesens sind mir schon Ideen gekommen 🙈
    Liebe Grüße und auf bald 😘
    Dani

  2. Liebe Antje,

    Toller Beitrag, da bekommt man richtig Lust einfach loszulegen. Wenn nur die liebe Zeit nicht so knapp wäre 😉🤭

    Grüße Inja

  3. Sehr schöner Beitrag super erklärt. Viele wissen gar nicht was von der Entstehung bis zum fertigen Quillt dahintersteckt. Ich bin ja schon angefixt von euch also vielleicht ist es ein Quillt und keine Tasche beim nexten Treff 😉.
    Liebe Grüße Claudia

    1. Vielen Dank liebe Claudia, für dein tolles Feedback! Ich freue mich, dass dir der Beitrag gefällt. Wir bekommen dich schon noch zum Quilten ;o) Und wer weiß, dann ein ganz eigenes Muster vielleicht ?! 🙂

  4. Hach, ein schöner Beitrag zum Schwelgen und du zeigst uns die schönste Seite an Mathe, welches ich schon in der Schule immer sehr mochte 🙂
    Liebe Grüße
    Bianca

    1. Liebe Bianca, vielen Dank für dein nettes Feedback! In der Schulzeit hab ich mich ja oft gefragt, wofür ich eigentlich den ganzen Kram später brauch…tja, jetzt weiß ich das. Haha… Und? Planst du nun auch ein eigenes Schnittmuster? LG und Zeigen!!!!

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