Immerhin angefangen! Gastbeitrag von Klara flickenreich

Vor ein paar Tagen bin ich durch mein Rhöner Atelier gestreift und habe mit einer Liste in der Hand versucht, alle angefangenen Patchwork-Arbeiten zu “registrieren”. Dazu hatte ich mir eine Tabelle vorbereitet mit Nummerierung und Projekttitel. 10 Zeilen passten auf ein Blatt. In weiser Voraussicht druckte ich gleich 2 Seiten aus. Mein Hinterkopf sagte mir, dass es auf jeden Fall mehr als 10 Ufos waren.

Hier schreibt dir Klara flickenreich. Patchwork mache ich schon seit über 15 Jahren und dabei sind zum Glück nicht nur Ufos entstanden! Topflappen und Kissenhüllen sind schnell fertig und perfekt, um Musterblöcke oder übrig gebliebenen Zuschnitt zu verarbeiten. Diverse Kinderquilts, 2 große Jeansdecken und ein rot weißer Bettüberwurf sind schon seit Jahren im Einsatz. Irgendwo auf diesem Planeten, hoffe ich zumindest! Um mir mein Hobby zu finanzieren, habe ich nämlich schon früh begonnen, meine Werke zu verkaufen. 

Doch seit eineinhalb Jahren finden keine Kunsthandwerkermärkte mehr statt. Hast du eine Ahnung, wie sich das auf meine Ufo-Bilanz auswirkt? Katastrophal! Der Reiz, Neues zu beginnen, ist groß, doch der äußere Druck, das ein oder andere auch zum Abschluss zu bringen, hat sich geradezu in Luft aufgelöst!

Mit der Ufo-Challenge der Patchworkgilde Deutschland, an der ich seit Herbst vergangenen Jahres teilnehme, versuche ich ein Stück mehr Selbstdisziplin zu etablieren. Immerhin: seitdem sind 6 Quilts fertig geworden! Und wie viel Neue habe ich angefangen? 6 Stück. Oh nein! Da braucht es noch mehr Unterstützung oder einfach eine Quiltauszeit, um den nächsten Quilt – vielleicht auch 2 – fertigzustellen. Wie schaffst du es, der Versuchung zu widerstehen, einen neuen Quilt zu beginnen, bevor du deine “Alten” fertiggestellt hast?

Also war ich mit meiner Liste in der Hand unterwegs: Zuerst ist da mal der Stapel an fertigen Quilttops, die aufs Quilten warten – zum Teil schon ein paar Jahre. Mir war beim Herstellen der kingsize-Patchworkdecken klar, dass ich mir irgendwann einen Quiltrahmen kaufen werde, um sie selbst zu quilten. Da sind meine beiden Quilttops nach dem Mysterie von Bonnie Hunter (Frolic und Grassy Creek). Dazu mein Frühlingsquilt 2020, der mir sooo gut gefällt, dass es tatsächlich ärgerlich ist, dass ich mich noch nicht darunter kuscheln kann. In Grüntönen mein Kinship Sampler. In Braun ein Irish Chain Quilt, den ich aus einer Laune heraus an einem Wochenende im vergangenen Jahr genäht habe…

Du merkst schon, ich liebe es, große Patchworkflächen aus Mustern herzustellen, die sich wiederholen. Das ist definitiv mein Steckenpferd! Je kleiner die Teile, desto mehr Stücke bekomme ich in einem Quilt unter. Das macht mir Spaß und Freude. Nicht von ungefähr kommt mein Künstlername “flickenreich”.

Besonders tückisch finde ich Quiltalongs! Unter meinen Ufos befinden sich gleich mehrere davon. Den Kinship Sampler habe ich schon erwähnt. Dann gibt es da den Lockdown II der Patchworkgilde Deutschland (war wöchentlich, alle Blöcke sind fertig) und den 6 Köpfe 12 Blöcke aus 2017, den ich zusammen mit Kirsten (augusthimmel) im Revival 2020 aus Jeansstoffen gestartet habe. Unter den neu begonnen Quilts ist der Gildelizzy, der als QuiltAlong aktuell Woche für Woche wächst. 

Wann wird eine angefangene Arbeit eigentlich zum Ufo? Ich finde, eigentlich zählt der Gildesampler nicht mit rein, weil der QuiltAlong in vollem Gange ist (und ich bin nicht einmal im Rückstand). Trotzdem ist es ein “unfertiges Objekt”, das einen Karton belagert.  Wie hebst du deine Ufos auf? Hast du Projekttaschen, -Kisten, -Boxen, ein ganzes Lager?

Unter meinem großen Arbeitstisch bilden mehrere kubische Regale des großen schwedischen Möbelhauses ein Regal, in das perfekt die Kartons passen, in denen man in den großen Discountern 12 Apfel kaufen kann. Sobald das Obst verzehrt ist, wandert der Karton ins Atelier und es dauert leider gar nicht lange, bis er sich mit Inhalt füllt. Vielleicht liegt es gerade an meinem ach so praktischen Ordnungssystem, dass sich so viele Ufos ansammeln?!

Nachdem ich gleich 2 Nähzimmer an unterschiedlichen Orten habe (in der Rhön und in Augsburg), kann ich den aktuellen Ufo-Karton leicht mitnehmen. Das mache ich in letzter Zeit auch immer häufiger, denn in meinem Atelier in der Rhön habe ich im Winter endlich meinen Traum vom Quiltrahmen Wirklichkeit werden lassen! Auf diesen habe ich eine Nähmaschine mit großem Durchlass montiert, so dass sie wie eine Longarm funktioniert (Wenn ich richtig informiert bin, nennt man diese Konstruktion Shortarm).

Nachdem ich natürlich die neue Maschine nicht an einem schönen Patchworktop ausprobieren wollte, habe ich mir erstmal eine Patchworkfläche aus geschenkten Stoffen eines Musterkataloges genäht und diese gequiltet. Sie hat tatsächlich ein Binding und ergänzt nun meinen Quilt-Stapel. Das Quilten geht zügig, wenn ich mir die Zeit nehme und dranbleibe. Schnell war das nächste Ufo, mein Mutmacher-Quilt, beendet. Doch genau das mit dem “mir Zeit nehmen” zum Quilten ist die Krux: denn das heißt ja wertvolle Patchworkzeit abzutreten für das Bedienen der Quiltmaschine. Da muss und möchte ich noch eine gute Balance finden, denn das aktuelle Top – ein Storm at Sea Quilt – ist da nun schon drei Monate eingespannt und seitdem steht die Maschine still! Oh meine Güte, wie die Zeit vergeht!

Welche Tipps gebe ich mir (und dir), um nicht auch so viele oder gar noch mehr Ufos zu produzieren: 

  • Bewahre deine angefangenen Patchworkarbeiten auf möglichst wenig Raum auf
  • Speichere Anleitungen ab und starte kein neues Projekt, bevor das Angefangene nicht zu Ende ist
  • Blocke dir in deinem Wochenplan Zeiten, in denen du in aller Ruhe deinem Hobby frönst 
  • Beantworte die Frage ehrlich: Warum ist diese angefangene Arbeit liegen geblieben?

Mit diesen guten Vorsätzen starte ich in den Mai. Gen Ende des Monats werde ich berichten, was daraus geworden ist. In der Zwischenzeit freue ich mich auf deine Reaktionen. Hast du dir schon einen Überblick über deine angefangenen Arbeiten verschaffen? Auf meiner Seite www.flickenreich.de/quiltauszeit kannst du dir meine Blanko-Ufo-Checkliste kostenfrei herunterladen. 

Bis bald, deine Klara flickenreich

 


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4 Kommentare

  1. Hallo Klara, ja, die Frage nach dem Warum? stellt sich frau wohl nicht so häufig… Da springen einen ja doch eher die neuen spannenden Sachen an und ein Projekt, dass schon länger in Bearbeitung ist, wird vielleicht auch mal langweilig. Schwierige Frage ;o)
    Deine Arbeiten sind allesamt wunderschön und ein Umbau von NäMa zu Longarm plus Quiltrahmen klingt sehr interessant, kannst Du den zeigen?
    Hab vielen Dank für diesen schönen Einblick in Dein Atelier und die Checkliste, ich geh auch mal zählen….
    Liebe Grüße
    Katrin

    1. Hallo Katrin, vielen Dank für dein Kompliment! Den Quiltrahmen kannst du auf meinem Instagram-Account @flickenreich jetzt schon sehen. Gerne zeige ich dir und allen anderen den Quiltrahmen und das Ergebnis des Quiltens damit in meinem Gastbeitrag Ende des Monats. Ob dann immer noch der Storm at Sea-Quilt an derselben Stelle eingespannt sein wird?
      Wie lagern deine angefangenen Arbeiten? Auf welche Anzahl bist du gekommen?
      Viele Grüße zurück!
      Klara

  2. Liebe Klara, es freut mich hier mehr über Deine Quilterfahrungen zu lesen. Ich verfolge Deine Arbeiten seit wir bei einer Versammlung der Patchworkgilde in Dinkelsbühl nebeneinander saßen.
    Deine Aufarbeitungsinitiative ist spannend. Bei mir bleibt oft das zeigen bzw. bloggen auf der Strecke. Gerne lasse ich mich von Arbeiten aus der Aktion inspirieren.
    LG Ute

    1. Ute mit der genialen Jeanstasche? Wie schön von dir zu lesen! Angefangene Quilts fertigstellen anstatt nur über angefangene Quilts zu schreiben finde ich einen ziemlich guten Ansatz… *lach*. Den ersten habe ich in diesem Monat tatsächlich schon fertig bekommen (Titelbild) und am nächsten bin ich mit dem Quilten dran. Die Aufarbeitungsinitiative ist in vollem Gange. Ende des Monats kannst du hier mein Fazit lesen.
      Viele Grüße, Klara

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