Kinderspielzeug – Gastautorenbeitrag

Liebe Leser von Augenstern!
Ich freue mich so, auch heute wieder hier zu sein, danke liebe Annette. Als Gastautorin darf ich über Kinderspielzeug schreiben, gestern ging es um grundsätzliche Gedanken, heute möchte ich ein paar Methoden und Ideen dazu vorstellen.

Nach meinen Recherchen im Bekanntenkreis meiner Kinder, im gestrigen Beitrag nachzulesen, fragte ich auch bei meinen Freundinnen genauer nach.

Eine Freundin beispielsweise hob ihr gesamtes Spielzeug
auf. Es war bei den Eltern verstaut, damit ihre Kinder einmal damit
spielen und sich daran erfreuen könnten. Sie ist ein Einzelkind in einer
recht betuchten Familie, dementsprechend groß war auch die Menge des
Spielzeugs, das jahrelang im Haus ihrer Eltern auf eine neue Bestimmung
wartete.
Nach ihren eigenen Aussagen allerdings hatten ihre Kinder
de facto kein Interesse an ihren alten Spielsachen. Sie holten die
Dinge zwar das eine oder andere Mal pflichtschuldigst aus den Kartons,
wenn sie bei den Großeltern waren, aber wären die Sachen nicht da
gewesen, hätte es die Kinder definitiv nicht gestört. Die Enttäuschung
der Mutter, dass die Kinder ihre alten und noch tiptop erhaltenen Sachen
eigentlich nicht interessant fanden, war allerdings riesig.
Mittlerweile hat sie sich von allem getrennt und hebt auch die Sachen
ihre Sprösslinge nicht mehr auf.
Ich persönlich habe aus meiner Kindheit so gut wie nichts aufgehoben. Als ältestes Kind in einer ganzen Reihe von Geschwistern und Cousins wurden meine Spielsachen eigentlich sofort weitergegeben. In den 1970-er und 1980-er Jahren war Nachhaltigkeit als Wort zwar unbekannt, wir lebten aber danach. Ebenso wie abgelegte Kleidung war auch weitervererbtes Spielzeug völlig normal und für uns alle in Ordnung.
Zurück zu
meinen Recherchen im Bekanntenkreis meiner Kinder. Die meisten sind
stolz darauf, ihr Spielzeug caritativen Einrichtungen zu spenden und
heben nur die eine oder andere Lieblingssache auf. In der Schule wird
hin und wieder ein Spielzeugflohmarkt veranstaltet. Teilweise dürfen die
Kinder den Erlös ihrer Spielsachen behalten, teilweise fließt er sozialen Zwecken zu. Auch daran nehmen vor allem die Volksschüler mit
großer Begeisterung teil.
Hier sind nun meine persönlichen Lösungen
und Lösungen aus meinem Bekanntenkreis. Jeder kann sich aussuchen, was
für ihn richtig ist. Es gibt hier kein Falsch, nur der vorhanden Platz
ist de facto ein Limit.

1. Alles aufheben, reinigen,
eventuell reparieren und ordentlich beschriftet in Kisten packen
. Für
manche Spielzeuge und
qualitativ hochwertiges Holzspielzeug generell, schöne Bücher etc. ist
das sicher eine wunderbare Lösung. Die meisten anderen Sachen allerdings
vertragen eine längere Lagerung nicht besonders gut. Sie altern
schlicht und einfach und sind nach zehn oder zwanzig Jahren nur mehr
reif für den Müll. Manche Kinder brauchen aber diese zeitweise
Zwischenlagerung für ihre persönliche Entwicklung. Selbst wenn das
Spielzeug nicht mehr interessant und im Zimmer dafür kein Platz mehr
ist, so bleibt es doch im Haus. Manchmal trennen sich die Kinder dann
nach einigen Jahren ganz rigoros von diesen vielen Kisten. Die Option
war für mich nie eine, es fehlt und fehlte dafür bei uns schlicht und
einfach immer der nötige Stauraum.

2. Dinge
fotografieren und dann sehr schnell caritativen Einrichtungen zukommen
lassen
. Diese Lösung habe ich eine zeitlang praktiziert, vor allem mit
dem Baby- und Kleinstkinderspielzeug, von dem ICH mich schlecht trennen
konnte. Meine Kinder hat es kaum interessiert. Also wurden die Dinge
hübsch arrangiert, fotografiert und danach entweder im Familien- und
Freundekreis an jüngere Kinder verschenkt oder einem sozialen Zweck
zugeführt. Manches Spielzeug, vor allem gut erhaltenes Markenspielzeug,
lässt sich auch über Online-Plattformen verkaufen. Hier darf man
allerdings nicht zu lange warten, die Dinge werden schnell unaktuell und
dann will sie niemand mehr haben.

3. Die
Oma-Opa-Kiste
. Auch diese Lösung wurde von uns praktiziert, als die Kinder noch kleiner waren. Wir
sortierten das Spielzeug gemeinsam mit den Kindern rigoros durch, nur
die allerschönsten, allerbesten, wirklich völlig intakten Dinge wurden
aufgehoben und in thematische Kisten sortiert. Hübsch beschriftet und
gelagert, soviel Platz war gerade vorhanden. Es gab eine Kiste mit
Brio-Eisenbahn, eine Kiste mit Playmobil, eine Kiste mit Duplo, etc.
Wenn also dereinst unsere Enkelkinder kämen – daher der Name “Oma – Opa –
Kisten” – könnten sie sich diese Kisten nehmen und damit spielen.

4.
Gemeinsam mit den Kindern wirklich alles, war nicht mehr benötigt wird,
loswerden
. Markenspielzeug, vor allem wenn es noch halbwegs aktuell
ist, lässt sich recht gut verkaufen. Großes Spielzeug, beispielsweise
unsere Bob-der-Baumeister-Werkbank, spendeten wir an den Kindergarten
für die Bauecke, ebenso ein paar riesige Stofftiere für die Kuschelecke.
Kleinzeug und Krimskrams, Puzzles und Spiele verkauften meine Kinder in
der Volksschule am Spielzeugflohmarkt. Bücher werden verschenkt oder in
den offenen Bücherschrank gestellt. Fazit: wir heben, mit wenigen
Ausnahmen, eigentlich gar nichts mehr auf. Uns fehlt der Platz, um
viele Kisten zu horten. Auch die Oma – Opa – Kisten sind bei uns mittlerweile
verschwunden.

5. Was wir allerdings sehr gerne im Haus
behalten, sind die Kinderbuch – Klassiker
, die man auch in späteren
Jahren immer wieder gerne liest. Die dritte Fantasy – Buchreihe und das
fünfte Erstleserbuch wandern, je nach Zustand, in den Papiermüll oder zu
jüngeren Freunden, die sich meist sehr darüber freuen. Die richtig
guten Bücher dürfen bleiben und füllen ein ganz wunderbares buntes
Kinderbuchregal.

Welche Lösung ist für euch die richtige? Was macht ihr mit dem Spielzeug und den Kunstwerken eurer Kinder? Ich freue mich auf viele Anregungen, Kommentare und Ideen zu diesem Thema.

Morgen geht es weiter mit der Kinderkunst. Was tun mit den hunderten Werken, die aus Kindergarten und Schule in unsere Häuser kommen?
Mit liebem Gruß,
Marie
verlinkt mit: 
*MMI*

6 Kommentare

  1. Naja, ich finde, es kommt drauf an. Ich war damals stinksauer, als meine Eltern ungefragt meine Matchbox-Autos weggeben hat. Mit diesen Autos würden meine Jungs sicherlich auch heute noch spielen.
    Bücher (vor allem Ratgeber und wissenschaftliche) kommen nach 20 oder 30 Jahren hingegen nicht mehr so gut an 😉

    Viele Grüße
    Frank

    1. Ja, das kann ich gut verstehen, so ganz war ich auch nicht damit einverstanden, als meine Spielsachen damals sofort weitergegeben wurden. Aus heutiger Sicht allerdings finde ich, dass meine Eltern völlig Recht hatten und es eine gute Sache war.

      Daher ist es mir wichtig, alle Aktionen gemeinsam mit meinen Kindern zu machen. Schließlich sind es ihre Sachen. Mein Neffe hat einen riesigen Koffer voller Matchboxautos von seinem Vater geerbt und diese Autos haben die Zeit gut überstanden.

      Mit liebem Gruß
      Marie

  2. Bei uns wird nichts aufgehoben, sondern an Kinder von Freunden weiter gegeben oder Flüchtlingskindern gespendet – das Kind entscheidet was wann weg kommt und es gibt nur Neues, wenn man sich von anderem trennt. Ich denke aber, dass die Legosachen laaaaaang bleiben werden und dann … naja, das muss er dann entscheiden. Kindergartenwerke … hihi, das geht bei uns so: aus dem Rucksack holen, eingehend betrachten, dann entscheiden Müll oder aufhängen (dafür gibt es eine Schnur mit Platz für 10 Bilder von der Decke runter – wenn diese voll ist wird eins weggeschmissen). Die Lösung finde ich super praktisch und er kann es selber entscheiden. LG Ingrid

    1. Lego ist eigentlich das einzige, was bei uns wirklich noch in großen Mengen vorhanden ist (meine beiden sind 12 und 14) und auch noch regelmäßig verwendet wird. Lego Technik und das neue Lego Architecture haben es den Buben besonders angetan.

      Spenden oder verschenken finde ich super, an wen auch immer, wenn man mit offenen Augen durch die Welt geht, findet man so viele Leute, denen man mit diesen Dingen helfen oder einfach nur eine Freude machen kann. Davon profitieren auch die Kinder.

      Deine Schnur ist auch eine sehr gute Idee, so wie die Postkartenschnüre in Amerika vor Weihnachten.
      Eines rein, eines raus, genauso soll es sein, aber das ist oft nicht so einfach…
      Mit liebem Gruß
      Marie

  3. Liebe Marie,
    welch schöner Beitrag, da fühlt man sich gleich in die eigene Kindheit zurück versetzt.
    Meine Eltern haben alle Spielsachen immer innerhalb der Familie weitergegeben, sofern etwas übriggeblieben ist. 😉
    So habe ich nur meinen Lieblings-Teddy behalten. Alle Puppen, bis auf eine wurden auch fortgegeben. So sucht meine Schwester immer noch vergeblich nach der alten Schildkröt Puppe, die sie geschenkt bekommen hatte. Wo die wohl geblieben ist! Ich hätte gern all meine Puppen an meine Tochter weitergegeben. Sie hat aber immer nur mit ihren Baby Born Puppen gespielt. Meine durfte aber bei den Puppen Partys als Gast mit dabei sein. 😉 Liebe Marie, ich wünsche dir weiterhin ganz viel Freude an der Gastautoren Woche, es macht mir ganz viel Spaß mit dir die Woche durchzuführen! ♥ Danke Dir. 🙂

    Liebste Grüße,
    Annette

    1. Ein paar wenige Dinge, auch eine Puppe, haben bei uns in einer versteckten Ecke am Dachboden meiner Eltern überlebt. Wahrscheinlich, weil meine Cousins nur Buben waren. Es war so eine Babypuppe, die Ende der 70-er total modern war, ich weiß aber nicht mehr, wie die Marke hieß. Damals wunderschön, teuer, ein richtiges Lieblingsstück. Wir entdeckten sie erst vor ein paar Jahren wieder: sie war total alt geworden, das Haar struppig, das Plastik brüchig (die Weichmacher verdampfen), alles in allem völlig unbrauchbar. Außerdem fand ich es ziemlich desillusionierend, in meiner Erinnerung war die Puppe perfekt, was wir noch fanden, war nur mehr Müll.
      Behalte deine Puppen so in Erinnerung, wie sie waren, das ist besser, ehrlich.
      Liebe Grüße
      Marie

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