Hallo Ihr Lieben!
Heute darf ich einen Gastbeitrag hier auf Annettes Blog „Augensterns Welt“ schreiben.
Mein Name ist Ines und ich blogge seit fünf Jahren unter dem Namen „Nähzimmerplaudereien“ (Instagram: @naehzimmerplaudereien) über meine verschiedenen Nähwerke. Nach einigen Jahren Studium und Berufstätigkeit im Süden und Norden Deutschlands, bin ich nun seit 16 Jahren wieder in meinem Geburtsort im Südwesten Deutschland, wo ich mit meiner Familie – in einem großen Haus mit einem eigenem kleinen Nähzimmer und viel Platz drumrum – lebe. Ich nähe leidenschaftlich gerne und eigentlich auch alles: Kleidung, Patchwork, Taschen und was mir sonst so unter die Nähmaschine kommt. Beim Nähen liebe ich speziell das Handwerkliche daran sehr. Daher probiere ich gerne ein interessantes Schnittmuster aus. Neben dem Nähen an sich schreibe ich auch gerne Nähanleitungen: ab und zu veröffentliche ich ein Tutorial bei mir auf dem Blog oder schreibe Artikel auf dem BERNINA Blog.

Mein Gastbeitrag soll sich um das Thema „Ufo“ (= unvollendete Projekte) drehen. Eine Expertin auf diesem Gebiet bin ich nicht, denn eigentlich mag ich kein UFOs haben: Da ich selbständig mit saisonal stark schwankendem Arbeitsaufkommen arbeite und eine Familie mit vier Teenie-Söhnen habe, kann ich mir meine Nähzeit zwar meist frei einteilen, dennoch ist sie limitiert. Dazu kommt noch meine schwäbisch-hohenlohische Familienprägung:
- lieber zügig etwas „wegschaffen“, als es ewig rumliegen lassen
- konsequent eine Sache zu einem Ende bringen
- sparsam mit Material und meiner Zeit umgehen und
- am besten nichts Unnötiges machen.
Diese Prägung hilft mir immer wieder, in mein Nähen Struktur zu bringen. Diese darf sicher an manchen Stellen noch besser werden, doch habe ich in den letzten Jahren bezüglich Ufos so einiges gelernt und versuche, mich immer wieder daran zu erinnern und mich daran zu halten. Das heißt jetzt nicht, dass ich immer die nachfolgenden Punkte einhalte – gelegentliche Ausrutscher davon gibt es schon!
1. Nur nähen, was mir gefällt
Das hört sich komisch an, denn wer von uns näht schon etwas, was ihm nicht gefällt. Ich meine damit auch eher die Grauzone „probiere ich halt mal“ – entweder weil es gerade alle in der Nähszene nähen oder weil ich den Stoff nun eben habe. Mittlerweile handhabe ich es so, dass ich ein Projekt abbreche und es entsorge, wenn sich herausstellt, dass ich mit Stoff/Schnitt nicht zurechtkommen. Ich mag meine Nähzeit nicht mit Projekten verschwenden, die ich nicht mag oder die nicht gelingen mögen. So habe ich ein Kleid entsorgt, dessen Stoff mich nicht wirklich angesprochen hat (ich brauchte ein Kleid und kaufte den Stoff gegen mein Gefühl – er gefiel mir eigentlich schon im Stoffladen nicht) und sich dann Schnitt samt Anleitung auch noch als Katastrophe herausstellte.

So sortiere ich auch jedes Mal, wenn ich mein Nähzimmer aufräume, Stoffe aus. Dies betrifft speziell Kleidungsstoffe. Da habe ich vor längerer Zeit manchmal Stoffe gekauft, von denen ich mittlerweile weiß, dass ich sie nie vernähen werde. Manchmal verschenke ich den Stoff, manchmal landet er in der Altstoffsammlung. Oder ich nähe bei einem neuen Schnitt bewusst ein Probemodell aus diesem Stoff und ärgere mich dann nicht, dass ich einen Lieblingsstoff zu einem eventuell unpassenden Stück vernäht habe.
2. Ich darf nur ein Projekt auf dem Nähtisch haben
Normalerweise beginne ich ein Projekt erst, wenn das vorherige abgeschlossen ist. So sehr es mich manchmal reizt, „schnell mal“ das nächste Projekt anzuschneiden, achte ich darauf, zuerst das gerade aktuelle Projekt zu beenden, den Nähtisch leerzuräumen, dann angesammelte Flickarbeiten zu erledigen und erst dann den nächsten Stoff an- und zuzuschneiden. Lediglich bei großen Quilts kann es sein, dass ich parallel zwei Projekte habe. Daher ruhen bspw. alle Materialen und Schnittteile für den Elefanten (Elephant Abstraction Quilt von Violetcraft) in einer Kiste, bis sich ein längeres Zeitfenster auftut, um ihn „am Stück“ zu nähen.

Wenn ich einen Kurs besuche, egal ob Taschen- und Quiltkurs, dann stelle ich das darin angefangene Projekt innerhalb der nächsten Tage fertig – meist steckt ja viel Mühe und gutes Material in einem solchen Projekt. So war es mir ein inneres Bedürfnis, meinen in einem Longarmkurs begonnenen Miniquilt innerhalb der folgenden Woche fertigzustellen: Samstag und Sonntag gequiltet, am Donnerstag hing er über dem Sofa – hier trieb mich zusätzlich, dass ich das fertige Stück „haben“ wollte!

Auch bei Nähen von Kleidung nähe ich ein Kleidungsstück komplett fertig, lasse es also nicht liegen, weil „nur noch“ die Knöpfe oder Knopflöcher fehlen. Bevor ich mich an ein anderes Projekt setze, kann es sein, das ich bspw. mit der fast fertigen Bluse in den Stoffladen fahre und die passenden Knöpfe kaufe, die ich dann auch anschließend annähe. Oder bei Shirts nähe ich alle Säume, auch wenn ich dafür von der Overlock auf die Coverlock umfädeln muss und anschließend die Fadenfarbe eigentlich wieder an der Overlock benötige.

3. Ich darf an keinem Quiltalong mitmachen darf, der sich über mehrere Monate zieht.
Wenn ich bei einem sogenannten BOM (Block of the month, also eine monatliche Blockaktion) schwach werde, sammeln sich diese Blöcke und ich brauche viel zu lange, bis ein Quilt daraus wird. So gern ich meine sogenannten „Schweizer Blöcke“ mag: Ich habe sie immer noch nicht zusammengenäht.

Als Anreiz, diese von mir sehr geliebten Blöcke zusammenzunähen, habe ich mich nun endlich für ein Layout entschieden und entsprechend Stoff für den Hintergrund dafür gekauft.

Wenn ein QuiltAlong oder entsprechend ein Sewalong bei Kleidung nur über wenige Wochen geht, ist das für mich besser. Dann bleibe ich bei der Stange. So ging es mir mit dem Quiltalong des Mosaic Jig Medaillion Quilt, bei dem ich im Prinzip keine Pause einlegte.

oder beim Sewalong für ein Etuikleid, der sich auch nur über eine kurze Zeit erstreckte.

Aktuell nähe ich beim Quiltalong des Meadowlandquilts mit, der geht aber nur über 6 Wochen und ich habe das Ziel, diesen Quilt in Händen zu halten und über das neue braune Sofa zu legen und ihn dort zu nutzen.

Besonders gut komme ich damit zurecht, wenn zu Beginn eines QuiltAlongs alle benötigten Teile zugeschnitten werden und dann pro Woche eine bestimmte Anzahl Blöcke bzw. Reihen zu nähen sind.

Hier nähe ich je Woche fünf Blöcke, packe diese an die Designwand und erst wenn diese fünf hängen, nähe ich an einem anderen Projekt.


4. Ich darf nichts nähen, wenn ich nicht weiß, wofür
Mich hat bspw. die Teilnahme an der Aktion 100Tage100 Blöcke unheimlich gereizt und ich habe es auch geschafft, 100 Blöcke zu nähen und diese an 100 Tagen auf Instagram zu zeigen. Ich habe aber für diesen riesigen Quilt im Moment keinen Bedarf – also liegen die 100 Blöcke immer noch in der Kiste und warten auf einen Zweck, zu dem sie dann zu einem Quilt vernäht werden.

Schwierig ist das manchmal, wenn ich Patchworkblöcke zur Probe für Designerinnen nähe. Meist soll nur der einzelne Block ausprobiert werden. Für mich habe ich jetzt die Lösung gefunden, diese Blöcke sofort zu einem Kissen, Tischläufer oder Miniquilt (die hänge ich auf) zu verarbeiten.

Ich habe auch zwei Kisten, in denen ich nach Designerin die einzelnen Blöcke sammle, so dass die Blöcke von Stil und der Technik eigentlich gut zusammenpassen. Ich achte dann darauf, dass ich einen gleichen oder zumindest gut zusammenpassende Hintergrundstoffe verwende, so dass die Blöcke dann irgendwann zu einem Babyquilt oder ähnlichem vernäht werden können.
Meine Nähfreundin Karen vom Blog „Easypatchwork“ hat einen Artikel (allerdings in Englisch) auf ihrem Blog auch zu diesem Thema veröffentlicht („Quality vs Quantity), in dem sie u.a. sich mit ihrem „Nähoutput“ auseinandersetzt.
5. Ich darf nicht an Blocktauschaktionen teilnehmen
Solche Blocktauschaktionen sind eigentlich tolle Aktionen: Man näht Blöcke in einem bestimmten Format oder Größe oder Technik und tauscht dann untereinander. Ich weiß dann aber nicht, wie ich diese „zusammenbringen“ kann: So sehr ich die 12 verschiedenen Postkarten-Blöcke mag – ich bekomme sie einfach nicht zu einem „Ganzen“

Je länger dann die gesammelten Blöcke liegen, umso schwerer wird es für mich, sie wieder hervorzuholen und zusammen zu nähen – und dabei ärgert es mich, dass soviel Material und aufgewendete Zeit rumliegen.
6. Ich darf mir nicht zu viel vornehmen
Das ist meine größte Herausforderung! Ich plane und dann kommt „das Leben“ dazwischen. Daher habe ich festgestellt, dass ich immer nur eine Sache zuschneiden darf, die anschließend auch genäht wird. Erst dann darf ich das nächste Stück zuschneiden. Immer wenn ich mich nicht daran halte, liegen unfertige Projekte zu lange auf dem Nähtisch rum, wie gerade jetzt ein Pullover für mich. Geplant hatte ich, meinem Jüngsten einen Hoodie und mir einen Pulli zu nähen und schnitt beide direkt nacheinander zu. Den Hoodie habe ich genäht – dann kam ungeplant etwas dazwischen und so liegt mein Pulli zugeschnitten nun schon drei Wochen rum. Ich hoffe, ich schaffe es, ihn in den nächsten zwei Wochen zu nähen!

So habe ich Euch nun auf eine Reise durch mein Nähen mitgenommen – an manchen Punkten kann ich recht konsequent sein, an anderen muss ich mich immer wieder selbst an der Nase packen… .
Liebe Grüße
Ines
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