SWAPs, SAL und Co. – was ist daran so faszinierend?

SWAPs, Wichteln oder Sew Alongs. All diese Aktionen hab ich schon mal organisiert. Wenn du dich jetzt fragst: Wovon redet Frau Huhn da eigentlich? dann bist du wahrscheinlich nicht allein damit.

Schaust du dich aber bei mir im Blog oder bei Instagram um, dann bekommst du schon einen ersten Eindruck, was das alles sein könnte.

Definitionen

SWAP heisst nichts anderes als Tausch. Ich schreibe das in der Regel lieber in Großbuchstaben, damit man gleich erkennt, dass dieses Wort eine andere Bedeutung hat als der eigentliche Wortsinn. Geht auf alle Fälle schneller als über eine extra App für Instagram formatierte Texte zu erstellen.

Da ich nicht ganz so glücklich bin mit den vielen englischen Begriffen in der deutschen Nähwelt, verwende ich synonym auch gern Wichteln/Wichtelei. In den letzten Jahren hab ich nämlich die Rückmeldungen erhalten, das Englisch bei vielen doch noch gar nicht so zum Alltag gehört wie ich oft einfach annehme. Ich selbst bin weit weg von „fließend in Wort & Schrift“, komme aber mit dem Fachvokabular ganz gut zurecht.

Bei einem SWAP oder einer Wichtelei nähst du also mehr oder weniger heimlich an einem Projekt (zu einem Thema) für jemanden anderes.

Ein SEW ALONG ist dahingegen ein gemeinsames Nähprojekt, wo am Ende dein Werk bei dir bleibt. Hier geht es um den Spaß am gemeinsamen Nähen. Ob nun ein Quilt/ein Kleidungsstück oder eine Tasche genäht wird – das liegt ganz bei dem Organisator und deinen Interessen.

Bei einem FINISH ALONG beendet man (endlich) etwas, das schon länger bei einem wohnt und der Fertigstellung harrt. Manchmal braucht man einfach die Motivation durch andere (Leidende), um zu einem guten Ende zu kommen.

Eine UFO-CHALLENGE ist zum Beispiel eine Form des FINISH ALONG. 

Warum machst du das eigentlich?

Weil ich manchmal den Hals nicht voll genug bekommen kann.  Im Ernst: ich hab unheimlich Spaß daran, Leute zusammen zu bringen, die ein gemeinsames Hobby haben und sich durch solche Aktionen vernetzten können. Es sind schon wunderbare Freundschaften entstanden in den letzten Jahren!

Manche Aktionen verselbständigen sich einfach.

Der Lotti-Swap damals: Ich hatte einen Narren an diesem Schnittmuster von elbmarie gefressen. Und hab quasi nur noch Lottis genäht. Irgendwann hatte aber jede*r in der Familie schon eine oder zwei. Was nun? Da ich meine genähten Sachen nicht verkaufe, war der Gedanke an den Swap geboren.

Oder beim Sew Together Bag SewAlong – ich hab in meinen Nähkursen schon vielen bei der Geburt so einer Tasche geholfen. Und auch online kamen immer wieder Fragen bei mir an, wie denn bestimmte schwierige Stellen oder gar die spärliche Anleitung zu meistern seien.

Zufällig kam fast zeitglich Madam Tailor auf den gleichen Gedanken und wir haben zusammen mit Princess_ina_pouch ein über mehrere Wochen dauerndes, digitales Nähevent aus der Idee gemacht. (Allerdings fehlt der letzte Teil immer noch in meinem Blog). Da ich nicht der Typ für Videos und auch nicht DER Technikfreak bin, fallen mit aussagekräftige Fotos sehr schwer und vor der Kamera reden ist die Hölle. Dauert also immer noch ein bisschen.

Wie macht man sowas?

Mit ganz viel freier Zeit, Lust auf andere Menschen und ein bisschen Geschick für Organisation. Ein dickes Fell braucht man auch manchmal.

  1. Eine Idee, ein Thema

    Im Moment laufen bei mir ja zwei ganz unterschiedliche Aktionen: Übers ganze Jahr der #machmichfertigFAL und der #däschletausch2022. Der FINISH-Along ist meiner eigenen Angst vor dem fertigstellen der vielen Quilttops in der Schublade geschuldet. Für mich ist Quilter der Moment, wo all die Arbeit vorher gehörig versemmelt werden kann.

    Die Däschle wurden nach dem Erfolg vom letzten Jahr einfach nochmal gewünscht. 

    Wenn du dich bei Instagram bewegst: ein aussagekräftiger Hashtag macht es dir leicht nachzugucken, ob andere deine Idee aufgreifen und mitmachen.

  2. Einen Leitfaden

    Mir ist kein besseres Wort eingefallen. Was ich aber sagen will: Was genau will ich mit meiner Aktion erreichen? WEN will ich erreichen? 

    In den letzten zwei Jahren gab es zum Beispiel kein neues Schnittmuster, bei dem nicht auch kurz danach ein SewAlong gestartet wurde. Oft werden dann die neuen Pattern reduziert angeboten und durch die große Sichtbarkeit der unterschiedlichsten Umsetzungen und der Dauerpräsenz über Wochen hat der Designer ein relativ preiswertes Marketingtool.

    Bei mir ist es meistens: mich interessiert ein Thema, ich hab keinen zum drüber reden und möchte aber Austausch dazu (Sew Along) – oder ich möchte Menschen zusammen bringen, die gern „zusammen am Lagerfeuer sitzen und schnattern.

    Die SWAPs/Wichteleien entstehen oft aus einer Laune heraus. Ich schenke unheimlich gern etwas her. Ob nun Genähtes oder Zeit – das ist fast gleich. Manchmal kommt von den Menschen bei Instagram der Impuls „Wann machst du mal wieder einen… ?“ – dann such ich mir ein Thema, was es noch nicht gab. Nur die Kissen und die Däschle haben es bisher in die zweite Runde geschafft 🙂

  3. Einen Zeitplan

    Guck in deinen Kalender. Welcher Zeitraum passt  DIR in deinen Terminplan? Hast du auch Feiertage & Ferien beachtet?

    Nicht vergessen: guck mal, ob andere aus deiner Bubble schon etwas angekündigt haben. Bei mir weiß ich, das zum Beispiel im Frühjahr von Judith ein SWAP zum Thema Frühling und im Herbst einer zum Thema Herbst/Halloween stattfinden. Bei Ann-Kathrin kommt dann kurz vor Weihnachten der ChristmasSwap.

    Von da aus rechnest du dir aus, wie lange die Arbeitsschritte wohl dauern mögen. Bedenke, das auch ein Anmeldezeitraum notwendig ist, wenn du mit einer bestimmten Anzahl an Mitwirkenden rechnest. Postlaufzeiten bei SWAPS bedenken.

  4. Regularien – eigentlich nur bei SWAPS wichtig, bei SAL/FAL nur, wenn du eine Gewinnoption mit ins Spiel bringst.

    Welche Plattform soll genutzt werden?
    Wer kann/soll/darf sich anmelden?
    Nur öffentliche Profile oder auch private? Welcher Kenntnisstand ist Voraussetzung? Ich bitte um ehrliche Selbsteinschätzung, was das Können angeht. Klar kann man auch die Teilnehmer bunt mischen. Doch das führt mitunter zu großen Differenzen und Unzufriedenheiten. Unser Hobby ist zeit- und kostenintensiv.
    Wie viele Personen kann ich betreuen?
    20 ist ne gute Zahl, finde ich. Alles darüber kostet wahnsinnig viel Zeit (ich hab letztes Jahr bei den über 80 Anmeldungen täglich über zwei Stunden Zeit investiert, um alle Fragen zu bearbeiten und zu schauen, ob jedes Däschle „passt“ und die Teilnehmenden im Zeitplan arbeiten.
    Wie groß darf die Aufgabe sein?
    Wie eng will ich den Rahmen stecken? 
    Bei mir ist der Rahmen mit jedem Mal etwas enger geworden. Einfach, weil es den Zeitaufwand während des SWAPS verringert und im Vorfeld diejenigen abschreckt, die schnell mal klicken, ohne zu lesen. Ich kann leichter und schneller gucken, ob alles läuft oder ob ich eine SWAP-Fairy organisieren muss.
    Bei Versand: versichert oder nicht? Nur D oder Europa? International?

  5. Was mach ich, wenn…

    … keiner mitmachen will?
    … wenn die Etikette missachtet wird?
    … wenn die Regeln nicht eingehalten werden (Qualität des Materials, Termine nicht einhalten)?
    …. ein Wichtelgeschenk dem Empfänger nicht gefällt? Lag es am Wichtelkind und seinen Wünschen und Kommentaren? Oder hat der Wichtel nicht aufgepasst?  

    Es gibt sicher noch mehr, aber mir fällt gerade nichts ein.

  6. Marketing 
    Hihihi, ein großes Wort. Aber natürlich musst du jetzt der Welt erzählen, was du vorhast! Gestalte mit Canva, Snapseed oder einer anderen App deiner Wahl ein ansprechendes Bildchen und schrei es heraus! Mach Lärm, mach die sichtbar und schwups, kommt die erste Anmeldung.

  7. Los gehts! 
    Und dann startest du mit deiner Aktion. Klar werden hin und wieder kleine Steinchen im Weg liegen. Aber da hilft eine offene Kommunikation ungemein! Sei dir selbst und den anderen ehrlich gegenüber. Mir passiert es regelmäßig, das ich meine eigenen Termine nicht halten kann, denn eins hab ich auch gelernt: Familie und eigene Gesundheit steht ganz vorn. Nichts was ich hier mache kann so wichtig sein, daß ich mich (noch mehr) von meinen Aktionen vereinnahmen lasse, wenn ich merke, es geht gerade nicht.

 

Was mich immer wieder begeistert und ein großer Antrieb für all meine Aktionen ist: zu sehen, wie die Menschen da draussen zueinander finden. Wie Freundschaften entstehen über 100erte von Kilometern oder eben auch zu entdecken, das zwei Straßen weiter jemand wohnt, der sich mit seinem Hobby allein auf weiter Flur wähnte. Eben ein ganz klarer Fall von #nähenverbindet!

So, nun muss ich mich erst zum Sport und dann an meinen täglichen Rundgang zum #däschletausch2022 begeben.

Ich hoffe sehr, ihr habt ein paar Fragezeichen weniger vor Augen und im besten Fall eine Idee, die endlich geboren werden darf und die ich dann bewundern darf!

Bleibt kreativ!

Christina

4 Kommentare

  1. Hallo Christina!,
    sehr schöne und wahre Worte super gut geschrieben. Ich selbst habe schon erlebt wie toll diese Nähgemeinschaft ist und gerade am Freitag wieder nette Leute kennengelernt bei der Nadelwelt.
    Ich finde das mit den Swaps und Blogger Geburtstage schön und unterstützte gerne macht auch riesig Spaß beim Nähen…. Und man freut
    sich beim Päckchen auspacken.
    So nun geh ich wieder an mein Däschle22 🤩
    Grüssli Claudia

  2. Liebe Christina, liebe Annette,
    vielen Dank für die Aufklärung und den informativen Text. Hat sehr viel Freude gemacht, ihn zu lesen.
    Liebe Grüße Anne

  3. Hallo Christina,
    der Artikel ist sehr informativ. Ich mache (auch wenn ich weder einen Blog noch einen FB oder IG Account habe) sehr gerne bei Bloggeburtstagswichteleien mit. Bei der Frage ‚Was mache ich wenn ein Wichtelgeschenk dem Empfänger nicht gefällt?‘ habe ich mich gefragt, warum sich da der Organisatior (hinterher) drum kümmern muss? Natürlich ist die Freude groß wenn der Wichtel den eigenen Geschmack voll getroffen hat, wenn nicht, muss man halt „gute Miene“ machen, das ist aber bei normalen Geburtstagsgeschenken auch der Fall. Es ist ja keine Auftragsarbeit bei der man mit dem Empfänger die Einzelheiten im Detail abspricht. Hilfreich sind natürlich Fragebögen nach Vorlieben und Abneigungen, vor allem wenn auch Teilnehmer ohne Blog dabei sind (oder man gibt dem Organisator die Info bei der Anmeldung mit).
    Liebe Grüße und einen schönen Sonntag,
    Ulrike

  4. Ich nehme immer wieder gerne an solchen Wichteleien teil. Schenken und beschenkt werden ist einfach toll! Schade finde ich es manchmal, wenn bei den Aktionen nur Teilnehmerinnen aus Deutschland zugelassen sind. Ich lebe in Österreich, und mir macht es nichts aus, die paar Euro mehr ins Porto zu investieren. Mein Hobby ist mir das wert. Liebe Grüße, Gabi

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